Koblenz: Neonazis ermorden Nihad Yusufoğlu

Heute vor 28 Jahren wurde Nihad Yusufoğlu von einem Neonazi erstochen.

Bereits im Vorfeld des Mordes war die Familie Yusufoğlu über Wochen von Neonazis mit Beleidigungen und Bedrohungen attackiert worden. Diese hatten ihren Treffpunkt an einem Parkhaus gegenüber dem Haus der Yusufoğlus. Am 28. Dezember 1990 versammelten sich insgesamt sechs Boneheads vor dem Haus und skandierten „Kanaken raus“, woraufhin Nihad und zwei seiner Brüder heraustraten und sich eine tätliche Auseinandersetzung entwickelte. Der 20-Jährige Skinhead Alexander T. ermordete Nihad Yusufoğlu mit einem Messerstich durch den Rücken ins Herz. Nach dem Mord wurde das Haus der Familie Yusufoğlu mit Steinen beworfen, die Familienmitglieder bedroht, beleidigt und die Kinder verprügelt. Aber es gab auch eine Menschenkette in Gedenken an das Opfer. Die Familie verließ nach der Ermordung den Ort, was aufgrund ihres Status als Asylsuchende und der damit verbundenen Residenzpflicht nicht einfach war.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Koblenz gehörte der Mörder T. zum Umfeld der rechtsextremen „Taunusfront“, als deren „Rädelsführer“ er sich gegenüber der Polizei bezeichnet hatte. T. war dem Verfassungsschutz von überregionalen rechtsextremen Aufmärschen bekannt. Gegen ihn lief bereits ein Ermittlungsverfahren wegen des Verwendens verfassungswidriger Kennzeichen. Obwohl er kurz vor der Tat von gewaltbereiten Skinheads aus Saarbrücken besucht worden war, behauptete er vor Gericht, sich zu dem Zeitpunkt der Tat schon von der Skinheadszene abgewandt zu haben. In der TAZ wurde der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, sie habe versucht, die Tat zu einem unpolitischen Dumme-Jungen-Streich herunterzuspielen, obwohl der Haupttäter sogar dem Verfassungsschutz bekannt gewesen sei. Der Täter wurde wegen Totschlags zu sechs Jahren Jugendhaft verurteilt. Das Gericht blieb mit dem Urteil unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. In seiner Begründung ging der Jugendrichter nicht von einer rechtsextremen und rassistischen Motivation der Tat aus, wofür er in der Berichterstattung kritisiert worden ist.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Nihat_Yusufoğlu

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